Was macht ein psychologischer Berater aus

Diese Frage wird mir immer wieder gestellt. Nun habe ich diese wunderschöne Geschichte bekommen. Hier sind die Hauptpersonen ein Meister und sein Schüler, aber diese Geschichte kann man auch auf obiges Thema beziehen.
 
 Meister, wozu ist ein Meister gut?”, fragt mit der ganzen Unschuld seiner Jugend ein noch sehr junger Mönch Pater D’Evry.
Dieser lächelt und antwortet:
“Zu allem und zu nichts zugleich … er lehrt dich, was du bereits weißt, er zeigt dir, was du bereits gesehen hast.”
Diese Worte verwirren den Schüler zutiefst. Er denkt einige Zeit stirnrunzelnd nach und fragte dann weiter:
“Meister, wozu ist aber jemand gut, der mir etwas sagt, was ich schon weiß und mir zeigt, was ich schon gesehen habe? Wollt Ihr damit sagen, dass der Meister für den Schüler unnütz ist und dass ich mein eigener Lehrer sein muss?”
“Nicht ganz. Ich gebe dir einmal ein Beispiel: Hast du schon einmal hingerissen vor einem meisterhaften Gemälde gestanden?”
“Ja, ich denke an das Bild über dem Altar in der Kapelle, ein herrlicher Sonnenuntergang von einem berühmten italienischen Maler; seinen Namen habe ich allerdings vergessen.”
“Was hat dich an diesem Bild so gefesselt?”
“Ich weiß nicht recht … die Feinheit der Details, die Farbgebung, der Gesamteindruck – als wenn ich vor dem schönsten aller Sonnenuntergänge stünde …”
“Hast du in deinem Leben nicht schon mal einen Sonnenuntergang gesehen?”
“Doch schon, aber keinen so realistischen.”
 
 

Christina Casanova

Autor: Christina Casanova

Christina Casanova ist Psychotherapeutin und Autorin, tätig in Chur und Zürich

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