Körperarbeit in der Psychotherapie

Körperarbeit in der Psychotherapie  (Schlussteil)

 

Körperarbeit

Die Körperarbeit hat zum Ziel, durch eine breite Informationsspur das wohladaptive neuronale Netz möglichst nachhaltig zu bahnen, um es leichter aktivierbar zu machen. Gedächtnispsychologische Forschungen weisen darauf hin, dass zur nachhaltigen

Speicherung einer Information eine Ressource herangezogen werden kann, über die jeder Mensch verfügt: dies ist der Körper. Eine Verbindung des Körpers und des Gedächtnisses besteht im sogenannten Tu-Effekt. Mit dem sich der Gedächtnispsychologe Engelkamp in seiner multimodalen Gedächtnistheorie befasst. Der Tu-Effekt bezieht sich auf empirisch gut abgesicherte Ergebnisse zum Erinnern eigener Handlungen.

Neben dem umfangreichen know-how aus der Verhaltenstherapie über den Aufbau von Reiz-Reaktionsverbindungen stehen uns in neuerer Zeit für die körperzentrierte Psychotherapiemethode wertvolle Kenntnisse aus den Neurowissenschaften zur Verfügung. Das Stichwort heisst: ”Neuronale Plastizität”. Der Neurologe Hüther erklärt: ”Nachdem noch bis vor wenigen Jahrzehnten die Überzeugung herrschte, dass ein Umbau der während der Hirnentwicklung einmal angelegten Verschaltungen im adulten Gehirn nicht mehr stattfindet, wissen wir heute, dass das Gehirn auch im Erwachsenenalter noch in hohem Masse zu struktureller Plastizität fähig ist.” (Hüther 1997). Dabei schätzt er die Zeit, die es braucht, bis ein neues neuronales Netz gebahnt ist, auf etwa ein Jahr.

Eine Depression war bei dem erwähnten jungen Mann (Fallbeispiel siehe oben aufgeführt) während einer längeren Zeit der Belastung entstanden. Durch das körperorientierte Programm verschwanden nach kurzer Zeit die depressiven Symptome.

In der körperzentrierten Psychotherapie werden zudem Ressourcen als Kraftquellen genutzt, um Heilungsprozesse zu fördern.

Therapie und Beratung kann insgesamt ressourcenorientiert angelegt sein und ganz gezielt bestimmte Ressourcen hervorheben und festigen.

Ressourcen sind Schutzfaktoren, die sich im Laufe unserer Entwicklung ausbilden.

Die Körperübungen in der Körperzentrierten Psychotherapie entstammen keiner Trickkiste. Sie sind eine mögliche Ergänzung zur verbalen psychotherapeutischen Arbeit. Ressourcen, Kraftquellen, können in Körperübungen, die der Patient während den Sitzungen mit dem Körperzentrierten Psychotherapeuten einübt, in den Alltag eingewoben werden. Denn verbessertes Körpererleben ermöglicht eine rasche Verbesserung der Lebensqualität bei Krisen und Störungen auf psychischer und psychosomatischer Ebene. (Rosmarie Zimmerli 2010)

 Christina Casanova (Autorin dieses Artikels)

Autor: Christina Casanova

Christina Casanova ist Psychotherapeutin und Autorin, tätig in Chur und Zürich

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