Zur IKP-Website

IKP-Blog Bewegendes aus dem IKP

12Sep/11

Zusammenspiel : Psyche Ernährung

Im Bereich der affektiven Reaktion auf Nahrung liegt das Mögen. Der Lustgewinn einer Nahrung hingegen ist schwankend, auf jeden fall nicht konstant. Denn die Nahrungsvorlieben werden nicht nur durch körperlichen Bedarf bestimmt, sondern auch subjektive und soziale Faktoren beeinflussen die Suche nach der optimalen Nahrung. Somit haben die psychologischen und soziologischen Betrachtungen auf die Ernährung einen grösseren Stellenwert als die biologischen Aspekte, gerade auch deshalb weil wir in einer Kultur leben, in der ein reichhaltiges Nahrungsangebot vorhanden ist.

Ist also die Psyche für unser Nahrungsverhalten verantwortlich, oder schieben wir unsere körperliche Verantwortung auf die Psyche?

Bei den Erklärungsansätzen stelle ich folgende Gedanken auf. Die Nahrung steht für:

       Kommunikative Funktion: Ernährung hat immer auch soziale, kulturelle und psychische Funktionen. Nahrung ist ein wichtiges Ausdrucksmittel für soziale Beziehungen und Kommunikation.

       Status-Funktion: Essen kann Freundschaft, Zugehörigkeit, Festtagsstimmung und Nähe, ebenso sozialen Status, Macht, Hierarchie und Ausgrenzung signalisieren. 

       Statushöhe: Lebensmittel sind beispielsweise Champagner, erlesene Weine, teures, sehr zartes Fleisch, Öko-Brot, teure und edle Öle usw. Mit statushohen Lebensmitteln ist das Gefühl von Exklusivität, von Auserlesenem, von hoher Lebenskultur, hohen Ansprüchen usw. verbundenen.

       Zudem können durch Nahrung und Essen Selbstwertgefühl und emotionale Sicherheit erzeugt werden, gleichermaßen Ängste und Schuldgefühle. Das konkrete Essverhalten ist in hohem Maße anfällig für soziale Beeinflussungen, für soziale Normen und kulturelle Regeln. 

Generell kann gesagt werden: Je privilegierter die soziale Position und je stärker das elterliche Unterstützungsverhalten ist, desto positiver ist auch das Ernährungsverhalten. Dies belegt den starken Einfluss des sozialen und familialen Rückhalts für das Ernährungsverhalten der Jugendlichen. So wirkt sich die Anzahl der Abende, die außer Haus verbracht werden, sowie der Umfang des Fernsehkonsums deutlich negativ auf das Ernährungsverhalten aus. Je mehr Zeit vor dem Fernseher und je mehr Abend mit Freunden außer Haus verbracht werden, desto ungünstiger ist das Ernährungsverhalten.

In den Familien sind die gemeinsamen Mahlzeiten - oft der einzige - zentrale Ort der Kommunikation und Identitätsbildung, wie etwa die familiären Traditionen der Festtagsessen zu Weihnachten. Viele soziokulturelle Entwicklungen wurzeln in der Menschheitsgeschichte im gemeinsamen Erobern, Produzieren und Verzehren von Nahrung.

Auch wenn das Differenzierungsvermögen gut entwickelt werden konnte, kennen die meisten Menschen auch als Erwachsene bestimmte Situationen, in denen Essen mit unterschiedlichen Gefühlszuständen eng verbunden ist. Manchen können Spannungen "auf den Magen schlagen", so daß "nichts mehr runtergeht", andere "stopfen sich" gerade dann "den Bauch voll" und setzen "Kummerspeck" an.

Es finden sich charakteristische geschlechtsspezifische Unterschiede des Ernährungsverhaltens. Mädchen und Frauen bekommen noch immer ungleich stärker als Männer bzw. Jungen von ihrer Außenwelt vermittelt, dass ihr persönlicher Wert in hohem Maße mit dem körperlichen Erscheinungsbild im Zusammenhang steht.

Konsequenterweise haben Frauen und Mädchen ein sehr großes Interesse an Fragen des Körpers, des Gewichts und der Ernährung. Dies führt in der Regel zu einem bewussteren Ernährungsverhalten, aber auch zu einer größeren Anfälligkeit für extreme Ausprägungen wie Essstörungen verschiedenster Art mit den extremen Folgen von Unterernährung auf der einen und Übergewicht auf der anderen Seite.

Die vielzitierte Weisheit des Körpers lebt im Spanungsfeld von Süsshunger und Nahrungskommerz. Es ist Kunst, wieder auf die innere Stimme zu hören.

 

Christina Casanova

 

 

1Sep/11

Psyche und Ernährung

Ich habe mich mit Frau Jsabella Zädow getroffen und mit ihr über Zusammenhänge von Ernährung und Psyche gesprochen. Sie ist  Ernährungsfachfrau und wirkt als Dozentin am Institut für Körperzentrierte Psychotherapie.

 

Im Volksmund sagt man gerne: "Zeig mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist." Wie ist dies zu verstehen?

Dieser Ausdruck empfinde ich als zu verallgemeinernd und floskenhaft. Das würde ja heissen, dass sich aus dem Ernährungsverhalten ein Persönlichkeitsprofil ableiten liesse – und das kann ich so nicht stehen lassen. Jedoch liegt in jedem Volksmund ein Fünkchen Wahrheit. Aus meiner Sicht ist es so, dass sich die Selbstfürsorge auch im Ernährungsverhalten widerspiegelt.

 Ist die Ernährung tatsächlich auch als Spiegel der Seele anzusehen?

Wie bereits verdeutlicht, glaube ich, dass hinter dem Umgang mit Essen und Nahrungsmittel eine individuelle Lebenshaltung steht. Wie viel Zeit nehme ich mir zum Essen? Wie wichtig ist es mir, mich den Körperbedürfnissen entsprechend zu ernähren? Woher stammen die Nahrungsmittel, die ich konsumiere und wie wurden sie produziert?

Als zweiten Punkt möchte ich das sogenannte „emotional eating“ erwähnen. 43 % aller Normalgewichtigen und 98 % aller Übergewichtigen essen nicht aus Hunger, sondern aus einer Stimmung, einer Emotion heraus. Mit Essen ist es möglich innerhalb von kurzer Zeit den Seelenzustand zu verändern. Dieser Vorgang ist zwar ein wirkungsvoller, aber nicht immer sinnvoller Umgang mit Gefühlen.

Die Ernährung unterliegt doch auch eine Modediktat. Wie ist Ihre Haltung dazu?

Mit dem Essen und den verschiedenen Ernährungsempfehlungen lässt sich viel Geld verdienen, weil jeder Mensch tagtäglich, meist mehrmals, Nahrungsmittel zu sich nimmt. Darum wechseln sich die Ernährungstrends im 5-Jahres-Zyklus ab. Mal‘ ist es chic, keine Kohlenhydrate zu essen oder das Nachtessen auszulassen. Dann wieder vermehrt auf die Fettqualität zu achten oder exotische Produkte zu kaufen. Bücher, Medienartikel oder Ernährungsberater/innen diktieren eine allgemeingültige Ernährungsform und empfehlen mit Nachdruck, dass diese von allen Menschen eingehalten werden soll. Aus meiner Sicht ist die „Aussensteuerung“ durch mehr oder weniger wissenschaftliche Quellen nicht sinnvoll. Genau so individuell und unterschiedlich der Mensch ist, so einzigartig wird auch seine Ernährung sein müssen.

Vielmehr sehe ich meine Aufgabe als Ernährungsberaterin die kulinarische Körperintelligenz der Klienten zu stärken, unabhängig vom aktuellen Ernährungstrend.

Wie hat sich die Ernährung innerhalb der letzten Jahre verändert?

Vor 100 Jahren haben die Menschen mehrere Stunden pro Tag für die Produktion, Zubereitung und Konsumation von Nahrungsmitteln aufgewendet. Heute beschäftigen sich Herr und Frau Schweizer gerade noch durchschnittlich 23 Minuten pro Tag mit dem Essen. Das Einkaufen und Kochen von Speisen wird im Alltag immer mehr zur lästigen Nebensache – im Gegensatz dazu wird in der Freizeit das Essen immer mehr als Lifestyle-Event zelebriert. Lebensmittel sind im Überfluss, zu jeder Zeit und zu immer günstigeren Preisen zu erwerben. V. Pudel und J. Westerhöfer, zwei deutsche Ernährungswissenschaftler, definieren das heutige Essverhalten in 4 Tendenzen: 1.Tendenz: Verlust der Wertschätzung

2.Tendenz: Verlust der Lebensmittelidentität

3.Tendenz: Verlust der originären Beziehung zur Herkunft

4.Tendenz: Verlust der emotionalen Beziehung

 

Diese Tendenzen zeugen meines Erachtens von der traurigen Bilanz, dass sich das Essverhalten in den letzten Jahren zum Schlechteren entwickelt hat.

Wenn es stimmt, dass eine optimale Ernährung die Gehirnfunktion begünstig, dann müssten doch viele Schüler keine Angst mehr vor der Matheprüfung haben. Was also ist falsch an dieser Aussage?

Die Brainfood-Ernährungsform betont die Wichtigkeit von Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen, die die Nervenübertragungen im Gehirn verbessern. Jedoch ist es lediglich unterstützend zur Lernleistung zu verstehen und nicht als Ersatz. Das heisst, eine ausgewogene Ernährung hilft sich zu konzentrieren und leistungsfähig zu sein – es speichern sich dadurch aber nicht automatisch die Mathe-Formeln im Gehirn ab.

Bitte beschreiben Sie die Beziehung zwischen Ernährungsverhalten und psychischen Prozessen.

Das sind zwei grosse, nicht endende Themenfelder, die noch nicht abschliessend untersucht wurden. Aber einige spannende Erkenntnisse hat Gisla Gniech in ihrem Buch „Essen und Psyche“ beschrieben. Und zwar zeigen Untersuchungen, dass Menschen in bestimmten Stimmungslagen Nahrungsmittel mit dazugehörigem „Sinnesprofil“ bevorzugen. Ein konkretes Beispiel: im Zustand hoher innerer Anspannung wie Ärger, Frustration oder Freude werden salzige und / oder knackige Speisen bevorzugt. Bei tiefer innerer Anspannung wie Trauer oder Langeweile sind süsse und weiche Nahrungsmittel der Renner.

 

Abschliessend möchte ich betonen, dass das Essverhalten als ein Abbild von der psychischen Verfassung und eben der Selbstfürsorge zu verstehen ist. Dass es aber leider oder gottseidank nicht möglich ist, über eine ausgewogene, gesunde Ernährung die Psyche zu heilen.

Mit bestem Dank für das Interview:

Christina Casanova

 

15Jul/11

Ernährung – Spiegel der Seele

Zeig mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist!

Darüber möchte ich mehr wissen - ein Mythos, eine Wahrheit?

Ich werde mich mit Jsabella Zädow unterhalten - sie ist die Dame der Ernährungssparte am IKP. 

Christina Casanova

15Mai/11

Grundlagen der Gestalttherapie

An diesem Wochenende führte der Gestaltpsychotherapeut Antonio Bettinaglio durch das Seminar Grundlagen der Gestalttherapie. Ich habe mich mit der Teilnehmerin Margit Gantenbein darüber unterhalten:

Margit, du bist Studentin des Ausbildungsblocks Ernährungspsychologische Beratung am IKP. Wie hast du das Seminar erlebt?

Danke, sehr gut! Als Neuling dieser Methode hatte ich zuerst Bedenken überfordert zu werden, dank des Seminarleiters verflogen meine Bedenken im Wind. Antonio Bettinaglio ist ein erfahrener Gestalttherapeut. Er hat uns durch die Grundlagen der Gestalttherapie geführt. Anhand von Skript und Live-Arbeiten habe ich sehr viel provitieren können. Alles was ich in diesen achtzehn Stunden gehört und eingeübt habe war für mich Neuland, also eine tolle Herausforderung als Ernährungspsychologische Beraterin. Dieses Grundlagen Seminar ist Teil der Ausbildung. Ich bin sehr zufrieden mit der Vermittlung von Theorie und Wissen.

Hauptsächlich die Beispiele mit dem berühtem 'heissen Stuhl' haben mein Interesse gepackt. Diese Intervention werde ich sicher in meine Beraterarbeit einbauen.

Mit liebem Dank für dein Interview!

Margit Gantenbein führt eine Praxis für Ernährungsberatung Xund+fit  in Chur.

Christina Casanova

26Mrz/11

Stimme aus dem Seminar Stimme als Diagnoseinstrument

Am 13. März fand unter der Fachleitung von Bettina Stark das Seminar Stimme als Diagnoseinstrument statt. Ich habe mich danach mit zwei Teilnehmerinnen, Frau Margrith Thalmann, Atemtherapeutin in eigener Praxis in Benken sowie mit Frau Greti Küng, darüber unterhalten.

Was war Ihre Motivation, sich an dieses Seminar anzumelden?

Frau Thalmann: Ich bin Atemtherapeutin und bis anhin habe ich die Stimme wenig in meine Arbeit eingebaut. Ich wollte prüfen und erfahren, ob ich dieses 'Instrument' auch in meiner Klientenarbeit miteinbeziehen kann. Und ich war erstaunt! Im Seminar habe ich einige Erfahrungen gemacht, die ich sicher in meine Arbeit als Atemtherapeutin einflechten kann. Gerade die Verbindung Stimme und Atem hat mich angesprochen! Ich habe einiges an neuen Übungen kennengelernt! In meiner Arbeit kann die Stimme unterstützend helfen.

Frau Küng: Ich arbeite mit Schulkindern. Zur Zeit arbeite ich im Projekt 'Ich - Wir - Stärkung' mit. Die im Seminar gelernten Übungen kann ich sehr gut in meine Arbeit mit Schulkindern einbauen. Frau Stark hat uns einige Körperübungen bezüglich Bodenhaftigkeit, Stärkung gezeigt. Für mich sind das sehr gute 'Instrumente' , die ich in meiner Arbeit anwenden kann.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch

Christina Casanova