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19Apr/15

System Depression – das neue Buch von Peter Dold

Doktor Peter Dold, Dozent am IKP hat sein neuestes Buch 'System Depression' publiziert. Herzliche Gratulation vorweg!

Peter Dold, weshalb haben Sie ein Buch über Depression geschrieben? Gibt es dazu nicht schon genügend Fachliteratur?

Es hat damit zu tun, wie wir unsere Beziehungen leben, wie wir uns ernähren und bewegen. Dieses Buch ist ein innovatives Praxisbuch. Denn Beziehungen, so wie wir sie leben und Depressionen haben miteinander zu tun. In jeder zwischenmenschlichen Beziehung leben wir auch in unseren Verhaltensmustern. Dies geschieht natürlich unbewusst, doch leiten und lenken sie uns. Ist also ein Partner depressiv wirkt sich das auf die Beziehung, sprich  auf das Beziehungssystem aus. Zum Beispiel werden unglückliche Kinder entweder aggressiv oder ganz still. Doch Wut und Aggression gehören zum Stammhirn und man muss sie zeigen, ausdrücken. Darf man dies nicht, entwickeln sich daraus Verhaltensstörungen.  Es ist schade, wir neigen eher dazu Trauer und Wut niederzudrücken, als diese ausleben zu lassen. Wir leben in einer Gesellschaft in der Verlierer keinen Platz haben: Wir müssen ständig gut drauf sein, fröhlich sein, guter Dinge sein und Positivismus ausstraheln.  Trostlosigkeit darf zum Beispiel kaum noch zugelassen werden. Die Psychopharmaka steht als Retter zur Seite. Aber Körper und Seele gehören zusammen. Und da tun Schulmedizin und klassische Psychotherapie immer noch zu wenig in der Prävention. Zudem hat die Pharmaindustrie alles Interesse daran, traditionelle billige Heilmethoden abzulösen durch eine Palette von Tabletten. Mein Buch ist ein Praxisbuch und hat nichts mit Tablettenhinweisen zu tun.

Schwer Depressive sind existenziell angewiesen auf Medikation. Aber nur rund dreissig Prozent der depressiven Menschen werden medikamentös behandelt. Das ist das Prinzip von Try and Error, probieren und fallieren. Ich weise in meinem Buch darauf hin, bevor man die Medizin einschaltet, sollte man wirklich alles andere probieren. Wenn die endokrinen Ausschüttungen dauernd aktiviert sind – sprich: das Adrenalin dauernd fliesst –, ist das ein pausenloses Anpeitschen, letztlich ein Stresssymptom. Was dann? Man kann klüger fragen: Was stattdessen? Zum Beispiel Ruhephasen, weiche Bewegungen, durchaus im Rhythmus des Kosmos, die richtige Ernährung.

Aber wie erkennt man, dass eine Krise beim Mitmenschen angebrochen ist?

Das eindeutigste Zeichen ist der Rückzug. Der Betroffene will auf keinen Fall komisch, fremd oder gar als auffallend wahrgenommen werden. Ohne emotionale Schwingungen verliert aber der Mensch die Lebenslust, also sind Schwingungen lebenswichtig. Ein emotionales Oszillieren sollte jeder leben dürfen. Denn ein wichtiger Punkt – die Regelsysteme. Wir haben Regelsysteme, die das Leben erhalten: Wachen und Schlafen, Ruhen und Bewegen, Zärtlichkeit, Sexualität und Abstinenz. Bei Depressiven brechen die Regelwerke auseinander. Depressive sitzen nur noch zu Hause, oder sie rennen sich die Seele aus dem Leib. Das Gleichgewicht ist verloren gegangen. Auf Stress muss Entstressen folgen, auf Antreiben das Warten.

Peter Dold: System Depression – Depressionen ganzheitlich und körperorientiert behandeln. 192 Seiten. Fachbuch Klett-Cotta, 2015, Stuttgart.