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IKP-Blog Bewegendes aus dem IKP

10Jul/14

Diplomarbeit Paar-und Familienberatung IKP

Brigitte Kägi hat ihre Diplomarbeit im Institut für Körperzentrierte Psychotherapie IKP eingereicht. Ihre Arbeit trägt den spannenden Titel: Individuationsprozess im Spiegel eines eineiigen Zwillingspaares. Diese Arbeit wirft einen guten Focus auf das Bindungsverhalten eines eineiigen Zwillingpaares.  Mit ihrer Arbeit lässt uns Brigitte Kägi Einblick in die Zwillingsthematik gewähren.  So schreibt sie zum Beispiel:

"... Eine Zwillingsmutter hat mir erzählt, dass die Kommunikation zwischen ihr und den Zwillingsföten weit weniger intensiv gewesen sei als zu  ihrem „Einzelkind“ in der vorangegangenen Schwangerschaft. Sie habe immer das Gefühl gehabt, die beiden würden untereinander kommunizieren, während sie vor allem Ernährerin und Trägerin der beiden sei.

Für mich ist diese Aussage ein Hinweis, dass die grosse, gegen Ende der Schwangerschaft wohl eher bedrückende Nähe der Föten zueinander die Voraussetzung für gegenseitige, intensive Berührungen, energetische Kontakte und akustische Signale schafft, wodurch sich die beiden Föten gefühlsmässig sehr Nahe kommen und der Kontakt zur Mutter eher in den Hintergrund rückt. Ich könnte mir auch vorstellen, dass die gemeinsame Blutversorgung das Gefühl der gegenseitigen Abhängigkeit körperlich und seelisch reifen lässt.

 

Deshalb meine Vermutung, die Bindung der beiden zueinander sei bei der Geburt beträchtlich und das Bedürfnis stark, die bekannte Nähe zueinander weiterhin zu leben; dadurch entsteht Sicherheit und Geborgenheit, grundlegende Bedürfnisse jedes Menschen von Geburt an. Bowlby (2011) bezeichnet mit „Affektiver Bindung“ die Anziehungskraft, die ein Individuum für ein anderes Individuum besitzt. Entscheidend ist, dass die Personen, die eine affektive Bindung miteinander eingegangen sind, versuchen, einander nah zu bleiben.

Es ist gut möglich, dass die Bindung der Beiden zu nahen Bezugspersonen (Mutter/Vater) im ersten Lebensjahr weniger stark ausgeprägt wird zugunsten eines bereits aufgebauten, intensiven Körperwahrnehmens und -erlebens zwischen den Zwillingskindern vor der Geburt. Die Voraussetzung für eine frühe Zwillings-Abhängigkeit ist dadurch gegeben..."

Die Diplomarbeit ist einzusehen am Institut für Körperzentrierte Psychotherapie und erfreut sicher alle "Zwillingspaar-Eltern"

Christina Casanova