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13Nov/13

Beleidigungen sind für eine Liebesbeziehung tödlich

mamablog

Was ist der absolute Beziehungskiller? Und was braucht es, damit ein Paar noch nach Jahren gemeinsam durchs Leben gehen will? Der Mamablog sprach mit der Paar- und Sexualtherapeutin Christina Casanova, Dozentin am IKP und Autorin über Liebe, Mut und die häufige Selbstaufgabe vieler Eltern.

Frau Casanova, gestern thematisierten wir im Mamablog das Thema Geld in Beziehungen. Ich selbst weiss aus meinem Bekanntenkreis, dass es wegen Geld häufig zu Unstimmigkeiten kommt. Wie erleben Sie es als Paartherapeutin? Ist Geld in Sitzungen mit Paaren oft ein Thema?

 

Ja, absolut. Viele denken, Sex sei der Dauerbrenner in Paartherapien. Doch dem ist nicht so. Es ist vielmehr das Ungleichgewicht in Paarbeziehungen, das zu Unzufriedenheit führt. Das äussert sich oft beim Thema Geld. Es kann sein, dass die Frau plötzlich frustriert ist, weil sie kein Geld verdient. Sie hat zwar eine gute Ausbildung, doch dann kamen die Kinder, sie widmete sich ganz ihnen. Darauf hat sie den Wiedereinstieg verpasst, und nun fühlt sie sich plötzlich minderwertig und vom Mann abhängig. Ich erfahre allerdings auch häufig, dass sich der Mann enorm unter Druck fühlt. Er sagt, er müsse materiell alles liefern, doch gleichzeitig hört er von seiner Frau, er sei andauernd weg, weil er derart viel arbeite. Geld ist ein wichtiges Thema in einer Beziehung.

Aus welchen anderen Gründen kommen Paare zu Ihnen?

Viele Paare sind sich zu wenig bewusst, was Kinderkriegen wirklich bedeutet. Beim ersten Kind ändert sich enorm viel, sie müssen sich in ihrem Leben und auch als Paar neu organisieren und orientieren. Für gewisse Paare ist dies ein Schock. Ein weiterer Grund ist die Frage nach dem Danach. Fliegen die Kinder aus, beginnt sich ein Paar zu fragen, wie und ob sie zusammenbleiben wollen. Nach zwanzig Jahren Familie sind die Eltern oft ausgebrannt, auch finanziell. Viele Paare opfern sich über all die Jahre für die Kinder auf, sie machen und bezahlen alles für sie. Die Paarbeziehung bleibt dabei auf der Strecke.

Definieren sich Paare also zu sehr über die Kinder?

Ich will es nicht werten. Doch es ist so, dass sich viele Paare über ihre Kinder definieren. Sich selbst und ihre Paarbeziehung geben sie dafür häufig auf. Das ist gesellschaftlich akzeptiert, bis zu einem gewissen Punkt erwartet man auch von ihnen, dass sie für die Familie alles tun. Auf den Paaren lastet deshalb ein immenser Druck.

Was braucht es, um die Liebe aufrechtzuerhalten?

Zeit füreinander, gegenseitige Liebesdienste, Wertschätzung. Beide Partner sollen ihre Beziehung zueinander pflegen. Sie sollen sorgsam damit umgehen und herausfinden, was für sie gemeinsam wichtig ist. Merken sie, dass sie es geniessen, ab und zu miteinander auszugehen, dann sollen sie es tun. Das braucht dann aber auch Mut.

Warum Mut?

Sich gemeinsame Zeit zu organisieren, kann ein Paar viel Energie kosten und eine Mehrfachbelastung sein. Es braucht Mut, die eigenen Wünsche zu vertreten und sich gemeinsame Freiräume als Paar herauszunehmen. Doch der Lohn dafür ist wirklich göttlich.

Göttlich?

Ja! Sich Zeit füreinander zu nehmen, ist schön und lohnt sich. Der Mann und die Frau bleiben sich nahe, sie erfahren eine verbindliche, freundschaftliche Liebe. So kann das Paar in die Zukunft gehen. Gleichzeitig sollten sie sich das Geheimrezept zu Herzen nehmen, das schon unsere Grossmütter kannten: dass man sich einander nicht alles sagen soll. Damit spreche ich weniger Seitensprünge an, sondern vielmehr eigene kleine Wünsche, aber auch Intimitäten. Der Partner soll sich dem anderen nicht auf dem Silbertablett präsentieren. Es gibt nichts Langweiligeres, als wenn alles öffentlich ist. Stattdessen kann man gewisse Dinge als Überraschung in die Beziehung hineinbringen.

Ja, indem man ein neues Hobby beginnt oder Ideen für gemeinsame Abenteuerferien ausheckt – und den anderen damit überrascht.

Hat Langeweile in der Beziehung auch mit zu wenig Zärtlichkeiten und Sex zu tun?

Nein. Langeweile hat mit der Person selbst zu tun, nicht mit etwas anderem. Man soll interessiert bleiben, an sich selbst, am eigenen Leben und sich darauf einlassen. Das kann man wiederum in die Partnerschaft reingeben.

Und was ist der absolute Beziehungskiller?

Beleidigungen sind tödlich. Sie sind enorm verletzend und tun weh. Für jede Beleidigung braucht es fünf Wertschätzungen.

Wann hat eine bereits zerrüttete Beziehung noch eine Chance?

Genau dann, wenn das Paar in die Therapie kommt. Wenn beide da sitzen und gewillt sind, einen Effort zu machen, ist das eine Chance. Ich rechne es einem Paar hoch an, wenn beide in die Praxis kommen und ihren ganzen Mist hinlegen. Wie häufig sie dann kommen, überlasse ich ihnen. Im Schnitt kommen sie alle fünf bis sechs Wochen für eine Sitzung von 120 Minuten.

Christina Casanova / Bloggerin am IKP

12Nov/13

Tagesanzeiger: Der Mamablog

Heute ist das Interview der Journalistin Braun, Tages Anzeiger, und mir im Tagesanzeiger Mamablog gepostet:-)

http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/

Christina Casanova

veröffentlicht unter: Diverses Kein Kommentar