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IKP-Blog Bewegendes aus dem IKP

27Aug/12

Körperarbeit in der Psychotherapie

Körperarbeit in der Psychotherapie  (Teil II)

Ein Beispiel

Ein junger Mann, 28 Jahre, klagt über Kraftlosigkeit, Gedankenkreisen und Muskelspannungen. Es  fehle ihm die Kraft sich zu wehren oder durchzusetzen, bekundete er. Seine Arbeitsstelle habe er wegen Umstrukturierung verloren. Sein Hausarzt habe ihn zur Psychotherapie überwiesen.

Der Therapeut bittet den Klienten, während er ihm von seinen Schwierigkeiten berichtet, sich wahrzunehmen. »Wie sitzen Sie da?«, fragt der Therapeut den Patienten. Und: »Wie kräftig fühlen Sie sich? «

Mit einfachen Körperübungen werden Ratsuchende in das körperorientierte Arbeiten eingeführt. Der Therapeut möchte mit dem Klienten damit einen Ist-Zustand erstellen

 

Durchführung und Beschreibung des therapeutischen Prozesses

Übung          Der Therapeut berührtt mit beiden Händen die Aussenseite der Knie des Patienten und bittet ihn, gegen seine Hände zu drücken, d.h. der Therapeut bittet den Patienten sich zu wehren. Das geht gewöhnlich nicht auf Anhieb, was bedeuten kann, dass der Therapeut mit dem Klienten die Erlaubnis erarbeiten muss, sich zu wehren. Daraus ergibt sich langsam ein Kräftemessen zwischen dem Klienten und seinem Therapeuten. Sobald der Therapeut wahrnimmt, dass der Patient in seine Kraft gekommen ist, bittet er ihn zu sagen, wie er sich nun fühlt. Schon an seinem Gesichtsausdruck ist meistens ersichtlich, dass sich der Patient stärker fühlt. Bestätigt er dies, wird die Situation wiederholt, in der sich der Patient bis anhin machtlos gefühlt hat. Mit dem neuen Gefühl der Kraft, des Handlungsfähigseins erarbeiten Therapeut und Patient neue Reaktionsmöglichkeiten. Um in zukünftigen Situationen von diesem neuen Gefühl gebrauch machen zu können, wird das Körpergefühl verankert.

Kommentar des Therapeuten im vorliegenden Beispiel: Der Klient erfuhr ein Verbot sich durchzusetzen. Da er sich gegen seine Eltern stellen würde, wenn er nicht gleicher Meinung ist und er Angst hat, die elterliche Liebe zu                  verlieren, entscheidet er sich unbewusst, auf seine Meinung zu verzichten,   was ihn mehr und mehr abhängig werden lässt von andern.

 

Christina Casanova

 

 

veröffentlicht unter: IKP Institut Kein Kommentar
20Aug/12

Körperarbeit in der Psychotherapie

Körperarbeit in der Psychotherapie  (Teil I)

Depression ist eine psychische Erkrankung, bei der hauptsächlich die folgenden Symptome über längere Zeit auftreten können: Niedergeschlagenheit, Energielosigkeit, Antriebsmangel, Interessenverlust,  Schlafprobleme, Schuldgefühle und Hoffnungslosigkeit.

Ziel einer Psychotherapie ist es Menschen mit einer depressiven Erkrankung zu helfen, indem die Nachhaltigkeit von Psychotherapien gegen Depression für den Patienten optimiert wird.

Das folgende Fallbeispiel erläutert, wie sich eine depressive Störung in der Praxis zeigen kann und welche Interventionen möglich sind, um eine Nachhaltigkeit der Psychotherapie, die zur Genesung beiträgt, zu erlangen.

Körperzentrierte Psychotherapie

Empirische Evidenz, Systematik und neuere Befunde

Hinter dem Begriff “Psychotherapie” verbirgt sich die Veränderung von psychischen Symptomen mit psychologischen Mitteln, in dem sich zwei Menschen bemühen etwas zu bewegen. In der körperzentrierten Psychotherapie ist Arbeit mit dem Körper ein wichtiger Teil der Behandlungsform. Körperliche und seelische Erkrankungen sind wechselseitig zu verstehen. Ist die Seele krank, äußert sich das auch in körperlichen Symptomen und  umgekehrt. Denn körperliche Erscheinungen und seelische Erlebnisse haben eine Vielzahl an Wechselwirkungen. Alle wichtigen Selbst-Funktionen sind auch als körperliche Prozesse erfahrbar und werden somit verkörpert. Störungen der Selbstfunktion hinterlassen, etwa durch neurotisierende oder traumatische Erlebnisse, immer auch körperlichen ‚Abdruck’ oder haben ihren körperlichen ‚Ausdruck’ (sichtbar und erfahrbar auf körperlicher Ebene). Häufig stellten sich Klienten mit einer gut geschneiderten, abstrakten Diagnose beim Psychotherapeuten vor, etwa: „Ich bin in einer Depression!“ Aber die Verbindung zum eigenen Erleben scheint wie unterbrochen. Peter Dold stellt dazu fest: „Depressive Patienten tun das Äusserste, um das Innerste und Innigste zu vernachlässigen.“ (Dold 2010)

Kraftübungen

Depression ist durch den Verlust an Energie gekennzeichnet. Das muss ein Therapeut erkennen und verstehen, wenn er den Patienten richtig behandeln will. Depressive Patienten klagen oder beklagen ihre Situation etwa wie folgt:»Ich mag so gar nicht mehr. Mir ist jeder Schritt zu viel. Mir geht es schlecht und ich spüre innerlich keine Kraft. Meine Gedanken zerstören meinen Geist. Je mehr ich mich mit meinen Körperschmerzen befasse, desto weniger komme ich von ihnen los.« Solche Aussagen sollen vom Therapeuten ernst genommen und verstanden werden. Nicht ausser Acht zu lassen sind die neuronalen Netzwerkverbindungen, denn bereits leichte bis mittelgradige Depressionen können eine Veränderung der Hirnstruktur, eine Veränderung in Ausschüttungs- und anderen Regelprogrammen, in Transmitter- und Reizleitungsfunktionen bewirken. Die Ausschüttungsstruktur der Botenstoffe nimmt Einfluss auf die Persönlichkeitsstruktur in Richtung einer fliessenden Veränderung.

Depressive Mensche sind in der Therapie oft auch gekennzeichnet durch inneren, zum Teil sogar vorwärts verteidigenden Widerstand. Widerstände im Rahmen der körperorientierten Therapie verweisen uns auf Abwehr-, also auf Schutzfunktionen. Oft erscheint der Einstieg in das körperorientierte Arbeiten weniger von Abwehr geprägt, was ein Irrtum ist und nicht daran vorbeiführt, danach zu fragen, ob die Anwendung öffnender oder strukturierend-stabilisierender Interventionen angemessen ist.

Christina Casanova

 

2Aug/12

Theorie und Anwendung

Immer wieder die 'Grounding Uebungen'  - oder anders gefragt: Wozu dienen solche Uebungen in der Körperzentrierten Psychotherapie? Folgende Aussage ist treffend fürs Verständnis und fürs Umsetzen:

Grounding

Der Begriff Grounding oder Erdung hat in unserer Zeit und unserer Kultur eine breite Anwendung gefunden. Winnicott formulierte bereits 1958 "Durch das richtige Behandeln wird das Selbst im Körper gegründet."

Um die während den Sitzungen erreichten Fortschritte besser in den Alltag transferieren zu können, wurde das Konzept des Grounding entwickelt. Es handelt sich um die Einheit der eigenen Person mit der Umwelt (sowohl biologisch als auch sozial).

Die Verwurzelung im Körperselbst heisst: Wenn wir vom "Körper" in der Therapie oder Theorie sprechen, so meinen wir damit verschiedene "Aggregatszustände":

-den expressiven und energetischen Körper (Aktion)

-den sich erkundenen, erspürten und erfühlten Körper (Meditation)

-den berührenden und kommunizierenden Körper (Kontakt)

Für viele Klienten ist es völlig neu, gerade auch im Alltag auf den Körper Bezug zu nehmen, diese Empfindungen im Körper wahrzunehmen und als Ausdruck der Lebenskraft anzunehmen, und dies nicht nur während des therapeutischen Prozesses. Für viele ist ein gesunder Körper ein Körper, den man nicht spürt. Bei der Arbeit in der Praxis arbeiten die Therapeuten und Berater in die entgegengesetzte Richtung. Ein gesunder Körper ist ein Körper, den man differenziert wahrnehmen kann, selbst dann, wenn gewisse Empfindungen in ihrem Bedeutungsgehalt wenig oder noch nicht bewusst sind: Symptome sind Zeichen verborgenen Botschaften, deren Inhalt Entschlüsselung verlangt.

Christina Casanova

veröffentlicht unter: Diverses Kein Kommentar