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IKP-Blog Bewegendes aus dem IKP

23Nov/11

Familie – Ende gut alles gut

In unserer hektischen und unsicheren Welt ist es wichtiger denn je, dass wir die Familie zum Mittelpunkt unseres Lebens machen und ihr oberste Priorität einräumen, dies haben die Familienanhänger auf ihr Banner geschrieben.

Doch was, wenn die Familie zu Fesseln wird, die einem den Atem raubt?

Und wer will nicht am liebsten beides leben, das individuelle Leben hier und die Eingebundenheit in die Familie dort?

Den Familiensinn muss natürlich  jede Familie selbst stiften. Und das Ideal des lebenslangen, dauerhaften Zusammenlebens existiert nach wie vor - selbst wenn wir bisweilen unsere Familie als zu eng erleben und sie verwünschen.

Christina Casanova

13Nov/11

Die Familie im Wandel

Dr. Peter Dold, heute gibt es kaum einen Bereich unseres Alltags und Berufs, in dem nicht von einem "tiefgreifenden Wandel" die Rede wäre: Wandel der (Wert)-Haltungen und der Lebensstile. Wie bedeutend kann heute eine Familie noch sein?

Peter Dold: Wir sind inzwischen daran gewöhnt, diesen Zustand einen "postmodernen" zu nennen. Wir bezeichnen damit einen Zustand, in dem die bisherigen - die "modernen" - Orientierungen nicht mehr funktionieren, nicht mehr greifen. Postmoderne wird so zur Diagnose des Zerfalls, der Auflösung: Auflösung der Familie, der Nachbarschaften, der gewachsenen Strukturen und Identitäten.

Diese Situation kann Unsicherheit und Desorientierung hervorrufen, sie kann die Sehnsucht nach der Rückkehr der alten Zustände entstehen lassen, verbunden mit dem Festhalten an den alten Lösungsmustern und Denkschablonen. Der Mensch aber, als die wohl anpassungsfähigste Spezies, hat seit dem Beginn seiner Existenz, auch bezüglich seiner sozialen Lebensformen, eine erstaunlich kreative  Fähigkeit bewiesen, auch widrigsten Umständen  zu trotzen.  Bis heute beweisen die unterschiedlichsten Familienmodelle Fortbestand.

Hat unser Familienmodell fortbestand, sogar wieder Aufschwung?

Peter Dold: Durchaus, um es mal so zu nennen, ist die Familie im Trend. Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen hat der Mensch begriffen, dass er ohne stabile Beziehungen nicht durchs Leben kommt, sie helfen nämlich, das Leben zu leben, doch zum andern braucht der Mensch eine Familie um seine Sicherheit an Leben zu erhalten. Wir müssen uns von der Vorstellung leiten lassen, dass der Mensch sich immer wieder sein Familiensystem erschafft, das er gerade braucht. Wie ein Organismus sich selbst nicht vernichten will, so auch der systemische Organismus nicht. Diese Vorstellung gibt uns Vertrauen, Anforderungen  und Aufgaben zu erkennen und nach den Faktoren zu suchen, die stützen und sichern.

Was bedeutet Sicherheit an Leben erhalten?

Peter Dold: Wo sonst als in einer Familie können Schicksalschläge aufgefangen und getragen werden. Die Familie als das wohl wandelbarsten Sozialsystem verfügt über eigene Mittel Probleme anzugehen, es hat innewohnende Heilungskräfte und verweist auf ein feines Gespür für Bedürfnisse und systemstützende Programme. Die Gesellschaft, falls Familiensysteme sich ausser Stande fühlen solche Programme abzurufen,  mit Krisen, Problemen und Belastungen fertig zu werden, stellt ihrerseits Hilfen bereit.

In IKP Ausbildungsgängen wird z.B. auf sinnstiftende und spirituelle Dimensionen verwiesen, die gerade bei Aussichtslosigkeit und Zweifel Mut geben in der Gestaltung auch schwieriger Lebenslagen.

 

Mit liebem Dank für unser Gespräch

Dr. Peter Dold ist Dozent am IKP:

 

Christina Casanova

4Nov/11

Die Familie – ein Auslaufmodell?

Dr. Peter Dold, Sie sind ein Familienmensch und glauben an die Notwendigkeit einer Familie. Wie erklären Sie sich das Ueberleben der Familie in dieser postmodernen Zeit der Individualisierung?

Peter Dold:

In der heutigen postindustriellen Gesellschaft ist es schwerlich möglich, noch von einem einheitlichen Individuum zu reden: Wir sind gewohnt, dieser Welt je nach situativem Kontext eine andere Rolle einzunehmen, die mit anderen Verhaltensweisen verknüpft ist. Wenn wir aber mehr oder weniger beliebig zwischen mehreren Rollen wechseln können und wir für unser eigenes Glück ausschließlich selbst verantwortlich sind, dann brauchen wir die Familie. Sie bietet in diesem Wechselspiel Geborgenheit und Ausrichtung.

Doch, wozu sollte man sich dauerhaft an die gleichen Personen binden, wenn es noch nie so einfach war global zu kommunizieren und neue Menschen kennen zu lernen?

 Peter Dold:

Die Liebe gilt als Code, woran das Fazit anschliesst! Denn die Familie ist mehr als die Summe ihrer Teile. Der Mensch ist ohne Familie nicht möglich. Hat er seine Ursprungsfamilie nicht oder nicht mehr, bildet er eine sogenannte Ersatzfamilie. Der Grund liegt in der Sehnsucht nach Getragen werden und dem Faszinosum des Miteinandersein. Der Mensch der Moderne ist nicht nur trotz der modernen Gesellschaft, sondern erst recht und nur durch sie auf andere Menschen angewiesen. Identität ist in der funktional differenzierten Moderne allein möglich durch gegenseitige Anerkennung oder Synthese; wir können nur mit dem Finger auf uns zeigen und „ich“ sagen, wenn es „die anderen“ gibt.

 

Danke für das Gespräch Peter Dold. Dozent am IKP:

 

Christina Casanova