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IKP-Blog Bewegendes aus dem IKP

4Okt/11

Zeige mir, was du isst, so sage ich dir, wer du bist

Ich habe mich mit  Jsabella Zädow, Fachfrau für Ernährung und Dozentin am IKP, unterhalten.

Wenn man der Wissenschaft Glauben schenkt, dann stehen Ernährung und aggressives Verhalten miteinander in Verbindung. Was sagen Sie dazu?

Der direkte Zusammenhang zwischen Nahrungszufuhr und Aggression ist nicht nachgewiesen. Aber indirekt über den zu tiefen Serotoninspiegel, der sich sehr wohl über Lebensmittel, aber noch viel effektiver über Sonnenlicht und Bewegung beeinflussen lässt.
Anders im Umkehrfall:
Dass sich angestaute Aggression über die Kiefermuskulatur (kräftiges Kauen) lindern lässt, ist ein Fakt, der sich ganz einfach beweisen lässt... Kauen Sie beim nächsten Ärger mal auf einem Kaugummi, einer harten Karotte, auf Salznüssli, Chips oder einem knackigen Apfel rum. Was passiert.....??? 

Amerikanische und britische Forscher (Molly Crockett) der University of Cambridge konnten nun erstmals einen Zusammenhang zwischen dem Serotonin-Spiegel im Gehirn und der Stimmung belegen. Bei fallendem Serotonin-Niveau reagieren Menschen in Entscheidungssituationen kämpferischer und aggressiver.
Was kennen Sie für Nahrungsmittel die sich positiv auf den Serotonin Spiegel im Gehrin auswirken?

Durch den in Lebensmitteln enthaltenen Stoff Tryptophan wird die Bildung des Hirnbotenstoffs Serotonin angeregt. Hohe Serotoninausschüttung im Gehirn versetzt den Organismus in einen trophotropen Zustand, d.h. die kognitive, emotionale, motorische und autonome Erregung wird gedämpft, es kommt zu einer Entspannung (Spring et al. 1987). Kohlenhydrate heben den Serotoninspiegel durch verstärkte Ausschüttung des den Blutzuckerspiegel regulierenden Hormons Insulin an. Zu den blutzuckerrelevanten Kohlenhydratlieferanten zählen: Zucker, Weissmehlprodukte und Kartoffeln.

Ebenso wie der Glaube an die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Verhalten, gibt es immer wieder auch Stimmen, die das dementieren. Wie wichitg, bedeutend ist nun tatsächlich unsere individuelle Ernährung?

Weil Nahrung sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt und weil es starke soziale Einflüsse beim Essen gibt, ist es schwierig, Wirkungszusammenhänge zwischen Essen und Psyche festzustellen. Es gibt sehr viele Ergebnisse zur Wirkung des Inhalts der Nahrung mit einer Reihe von widersprüchlichen Resultaten. Als Faktum kann aber angenommen werden, dass die in den Lebensmitteln enthaltenen Substanzen je nach Form und Dosis wie Drogen oder Medikamente auf den menschlichen Organismus und das Gehirn einwirken. (s. Gisla Gniech, Essen und Psyche, S. 233)

Unsere persönliche, individuelle Ernährung gehört aber unbestritten zu einem genussvollen und erfüllten Leben. 

 

Mit liebem Dank für das Interview!

Christina Casanova

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