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IKP-Blog Bewegendes aus dem IKP

27Okt/11

„Unsere tägliche Beziehungspflege gib uns heute“

Ich habe mich mit Dr. Peter Dold, Dozent am IKP für die Ausbildung Paar- und Familientherapie über Familien-Glück unterhalten.

Peter Dold sagt:

Seit Menschen sich auf dieser Welt bewegen und sich erfolgreich durchgesetzt und ausgebreitet haben, ging es um elementarste Belange: Nahrung, Fortpflanzung, Aufzucht, Pflege und Schutz von Nachwuchs und Behauptung gegenüber einer Umwelt, deren Bedrohung minimiert werden musste. Der Zusammenhalt in der Gruppe, ob in Grossfamilien oder kleineren Familienverbänden, war ebenso Gewähr fürs Überleben, wie die Anpassung an die Umwelt in z.B. unterschiedlichen Klimazonen.

Christina Casanova: Biologen würden von der Bedeutung der Weitergabe der Gene sprechen, und Umweltexperten liessen uns heute den Einfluss und die Veränderbarkeit der Gene durch die Einwirkungen der Umwelt erkennen.

Peter Dold sagt:

Früher waren z.B. einzelne Eskimos - extremer Lebensbedingungen wegen - ausser Stande, allein eine Frau zu ernähren, was dazu führte, dass mehrere Männer eine Frau heirateten. In anderen Regionen, auch unter den Vorstellungen von Religionen, konnte ein Mann mehrere Frauen nehmen. Bei noch wenigen Populationen von Pygmäen im afrikanischen Urwald ist z.B. die Vaterschaft bei Kindern ungeklärt, weil es bei den Frauen zu unterschiedlichen intimen Kontakten mit Männern kommt. Das klassische Familienbild gehört eigentlich in den Reigen einer Vielfalt von Modellen, die heute noch gelebt werden. Doch auch unser klassisches Familienbild, steht unter dem Einfluss einer sich rasant verändernden Umwelt, was auch unsere Gene nachhaltig rasch beeinflusst. Bei Vätern, die während der Woche z.B. arbeitsplatzbedingt nicht bei ihren Familien sein können, wird von der Liebe aus dem Koffer gesprochen. Patchworkfamilien kennen wir seit geraumer Zeit, Regenbogenfamilien sind für manche noch gewöhnungsbedürftig. Offene Partnerschaften, Partnertausch, Alleinerziehende, erweiterte Familien: kaum mehr zu überschauende Formen begegnen uns. Steigende Scheidungsraten, Partnerschaften ohne Trauschein, Geburtenrückgang, Doppelbelastungen der Mütter durch Beruf und Sorge um die Kleinkinder, all das müsste den Status der Familie berechtigterweise fragwürdig werden lassen.

Woher die Sehnsucht nach der heilen Familie? Dahinter steckt das, was wir für unsere Entwicklung brauchen: einen Ort und Personen wo und mit denen wir uns nicht nur wohl fühlen, sondern lernen Kummer und Angst zu bewältigen, wo wir spüren, was traurig macht und weh tut, was strukturiert und befähigt uns in der Gesellschaft zu bewegen, zwischen Mein und Dein zu unterscheiden, wo wir lernen, den Wert von Dingen zu schätzen, wo wir spüren, wir werden geliebt und können andere gern haben. Früh erfahren wir in der Familie Berührung, wir lernen in dem kleinen „Kosmos“, wie alle mit allen und alles mit allem verbunden ist. Wir lernen fühlen wie Mutter, Vater und Geschwister fühlen, wir lernen uns schützen, verteidigen eingliedern, Position zu beziehen. Nicht erst Martin Buber hat uns ins Bewusstsein gebracht, dass wir auf ein Du, auf Beziehungen angelegt sind. Auch in unseren Genen ist Familie grundgelegt. Die Veränderung in der Umwelt formt und verändert die Familie und schafft neue Formen, wie wir auch im Rückgriff auf einmal in Frage gestellte Modelle wieder Bewährtes erkennen lernen. Die Wandelbarkeit und Veränderlichkeit erfahren wir in der Familie, wir erfahren auch, dass nichts ist, was bleibt. Die oft auf die persönliche Zukunft ausgerichtete Sehnsucht nach Harmonie und Perfektion muss uns auf Dauer erkennen lassen, wie jede Beziehung jederzeit der Pflege, des Förderns und kontinuierlicher Arbeit bedarf. Familie haben genügt nicht; er heisst Familie leben.

„Unsere tägliche Beziehungspflege gib uns heute.“

Mit liebem Dank an Peter Dold!

Christina Casanova

 

19Okt/11

Familien-Glück

Die meisten Menschen verbringen das Weihnachtsfest im Kreise der Familie, so das Ergebnis einer aktuellen Focus-Umfrage. “Familie macht glücklich” erklärt der Bielefelder Psychologe und Beziehungsforscher Tim Hagemann Gerade in unsicher empfundenen Zeiten sei das Bedürfnis nach Bindung und Geborgenheit durch die Familie besonders ausgeprägt. Als Familie halte man zusammen und ist für einander da, kommentiert der Fachmann.

Ich unterhalte mich mit Dr. Peter Dold über das Familienleben:

 

Christina Casanova

 

 

 

 

4Okt/11

Zeige mir, was du isst, so sage ich dir, wer du bist

Ich habe mich mit  Jsabella Zädow, Fachfrau für Ernährung und Dozentin am IKP, unterhalten.

Wenn man der Wissenschaft Glauben schenkt, dann stehen Ernährung und aggressives Verhalten miteinander in Verbindung. Was sagen Sie dazu?

Der direkte Zusammenhang zwischen Nahrungszufuhr und Aggression ist nicht nachgewiesen. Aber indirekt über den zu tiefen Serotoninspiegel, der sich sehr wohl über Lebensmittel, aber noch viel effektiver über Sonnenlicht und Bewegung beeinflussen lässt.
Anders im Umkehrfall:
Dass sich angestaute Aggression über die Kiefermuskulatur (kräftiges Kauen) lindern lässt, ist ein Fakt, der sich ganz einfach beweisen lässt... Kauen Sie beim nächsten Ärger mal auf einem Kaugummi, einer harten Karotte, auf Salznüssli, Chips oder einem knackigen Apfel rum. Was passiert.....??? 

Amerikanische und britische Forscher (Molly Crockett) der University of Cambridge konnten nun erstmals einen Zusammenhang zwischen dem Serotonin-Spiegel im Gehirn und der Stimmung belegen. Bei fallendem Serotonin-Niveau reagieren Menschen in Entscheidungssituationen kämpferischer und aggressiver.
Was kennen Sie für Nahrungsmittel die sich positiv auf den Serotonin Spiegel im Gehrin auswirken?

Durch den in Lebensmitteln enthaltenen Stoff Tryptophan wird die Bildung des Hirnbotenstoffs Serotonin angeregt. Hohe Serotoninausschüttung im Gehirn versetzt den Organismus in einen trophotropen Zustand, d.h. die kognitive, emotionale, motorische und autonome Erregung wird gedämpft, es kommt zu einer Entspannung (Spring et al. 1987). Kohlenhydrate heben den Serotoninspiegel durch verstärkte Ausschüttung des den Blutzuckerspiegel regulierenden Hormons Insulin an. Zu den blutzuckerrelevanten Kohlenhydratlieferanten zählen: Zucker, Weissmehlprodukte und Kartoffeln.

Ebenso wie der Glaube an die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Verhalten, gibt es immer wieder auch Stimmen, die das dementieren. Wie wichitg, bedeutend ist nun tatsächlich unsere individuelle Ernährung?

Weil Nahrung sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt und weil es starke soziale Einflüsse beim Essen gibt, ist es schwierig, Wirkungszusammenhänge zwischen Essen und Psyche festzustellen. Es gibt sehr viele Ergebnisse zur Wirkung des Inhalts der Nahrung mit einer Reihe von widersprüchlichen Resultaten. Als Faktum kann aber angenommen werden, dass die in den Lebensmitteln enthaltenen Substanzen je nach Form und Dosis wie Drogen oder Medikamente auf den menschlichen Organismus und das Gehirn einwirken. (s. Gisla Gniech, Essen und Psyche, S. 233)

Unsere persönliche, individuelle Ernährung gehört aber unbestritten zu einem genussvollen und erfüllten Leben. 

 

Mit liebem Dank für das Interview!

Christina Casanova