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IKP-Blog Bewegendes aus dem IKP

28Sep/11

Körper – Seele – Selbst

Großer Körperpsychotherapie-Kongress in Berlin 18. - 21. September 2011

Die Menge begrüsste die Menge - eine wahrhafte leibliche Sache dieser Kongress:
Im September fand in Berlin zum zweiten Mal der große Kongress der Deutschen Gesellschaft für Körperpsychotherapie (DGK) statt. Dr. Manfred Thielen informierte über Ziele und Inhalt. Renommierte Pioniere und VertreterInnen der Körperpsychotherapie wie Gerda Boyesen, Albert Pesso, Malcolm Brown, Tilmann Moser, Wolf Büntig, Hilarion Petzold u.a. reisten nach Berlin. Die Entwicklung der Körperpsychotherapie begann vor nunmehr über 80 Jahren und hat heute zu einer differenzierten Vielfalt der angewandten Interventionen geführt. Darüber fand fruchtbarer Diskurs statt. So etwa: Unter den sich verändernden gesellschaftlichen und politischen Bedingungen postmoderner Zeiten entstehen neue Herausforderungen an die theoretischen und praktischen Grundlagen der Körperpsychotherapie. Wie sieht Arbeit am und mit dem Körper unter der zunehmenden Bedeutung des Virtuellen und des Vorrangs der Oberfläche aus? Welche Konsequenzen hat die Perfektionierung des Images und der Verlust der Tiefe?

Devi Rageth, Psychotherapeutin informierte mich über den Kongress.

Christina Casanova

veröffentlicht unter: Diverses Kein Kommentar
18Sep/11

Libidogewinn durch Ernährung

Lustbefriedigung mit Essen

Die bekannteste Triebtheorie stammt von Sigmund Freud und gehört zur Psychoanalyse.

Danach erlebt der Mensch permanent einen Spannungszustand, der der Art- und

Lebenserhaltung dient. Wichtige Bedürfnisse sind jene nach Nahrung und Sexualität. Die

Energie des Triebes wird Libido genannt: ihr Ziel ist die Lust- und Bedürfnisbefriedigung.

Und wie ist der Lustgewinn über die Ernährung nun wirklich einzuschätzen?

Aphrodisierende Nahrungsmittel sind umstritten. Ausser den vielen Substanzen, die aus reinem Aberglauben als aphrodisierend gelten, gibt es aber Aphrodisiaka die tatsächlich mit unterschiedlicher Intensität auf unseren Körper und unsere Psyche wirken und anregende Wirkungen entfalten können. Dies ist etwa bei Zimt, Vanielle, Safran, Ingwer oder Moschus der Fall.

Christina Casanova

 

12Sep/11

Zusammenspiel : Psyche Ernährung

Im Bereich der affektiven Reaktion auf Nahrung liegt das Mögen. Der Lustgewinn einer Nahrung hingegen ist schwankend, auf jeden fall nicht konstant. Denn die Nahrungsvorlieben werden nicht nur durch körperlichen Bedarf bestimmt, sondern auch subjektive und soziale Faktoren beeinflussen die Suche nach der optimalen Nahrung. Somit haben die psychologischen und soziologischen Betrachtungen auf die Ernährung einen grösseren Stellenwert als die biologischen Aspekte, gerade auch deshalb weil wir in einer Kultur leben, in der ein reichhaltiges Nahrungsangebot vorhanden ist.

Ist also die Psyche für unser Nahrungsverhalten verantwortlich, oder schieben wir unsere körperliche Verantwortung auf die Psyche?

Bei den Erklärungsansätzen stelle ich folgende Gedanken auf. Die Nahrung steht für:

       Kommunikative Funktion: Ernährung hat immer auch soziale, kulturelle und psychische Funktionen. Nahrung ist ein wichtiges Ausdrucksmittel für soziale Beziehungen und Kommunikation.

       Status-Funktion: Essen kann Freundschaft, Zugehörigkeit, Festtagsstimmung und Nähe, ebenso sozialen Status, Macht, Hierarchie und Ausgrenzung signalisieren. 

       Statushöhe: Lebensmittel sind beispielsweise Champagner, erlesene Weine, teures, sehr zartes Fleisch, Öko-Brot, teure und edle Öle usw. Mit statushohen Lebensmitteln ist das Gefühl von Exklusivität, von Auserlesenem, von hoher Lebenskultur, hohen Ansprüchen usw. verbundenen.

       Zudem können durch Nahrung und Essen Selbstwertgefühl und emotionale Sicherheit erzeugt werden, gleichermaßen Ängste und Schuldgefühle. Das konkrete Essverhalten ist in hohem Maße anfällig für soziale Beeinflussungen, für soziale Normen und kulturelle Regeln. 

Generell kann gesagt werden: Je privilegierter die soziale Position und je stärker das elterliche Unterstützungsverhalten ist, desto positiver ist auch das Ernährungsverhalten. Dies belegt den starken Einfluss des sozialen und familialen Rückhalts für das Ernährungsverhalten der Jugendlichen. So wirkt sich die Anzahl der Abende, die außer Haus verbracht werden, sowie der Umfang des Fernsehkonsums deutlich negativ auf das Ernährungsverhalten aus. Je mehr Zeit vor dem Fernseher und je mehr Abend mit Freunden außer Haus verbracht werden, desto ungünstiger ist das Ernährungsverhalten.

In den Familien sind die gemeinsamen Mahlzeiten - oft der einzige - zentrale Ort der Kommunikation und Identitätsbildung, wie etwa die familiären Traditionen der Festtagsessen zu Weihnachten. Viele soziokulturelle Entwicklungen wurzeln in der Menschheitsgeschichte im gemeinsamen Erobern, Produzieren und Verzehren von Nahrung.

Auch wenn das Differenzierungsvermögen gut entwickelt werden konnte, kennen die meisten Menschen auch als Erwachsene bestimmte Situationen, in denen Essen mit unterschiedlichen Gefühlszuständen eng verbunden ist. Manchen können Spannungen "auf den Magen schlagen", so daß "nichts mehr runtergeht", andere "stopfen sich" gerade dann "den Bauch voll" und setzen "Kummerspeck" an.

Es finden sich charakteristische geschlechtsspezifische Unterschiede des Ernährungsverhaltens. Mädchen und Frauen bekommen noch immer ungleich stärker als Männer bzw. Jungen von ihrer Außenwelt vermittelt, dass ihr persönlicher Wert in hohem Maße mit dem körperlichen Erscheinungsbild im Zusammenhang steht.

Konsequenterweise haben Frauen und Mädchen ein sehr großes Interesse an Fragen des Körpers, des Gewichts und der Ernährung. Dies führt in der Regel zu einem bewussteren Ernährungsverhalten, aber auch zu einer größeren Anfälligkeit für extreme Ausprägungen wie Essstörungen verschiedenster Art mit den extremen Folgen von Unterernährung auf der einen und Übergewicht auf der anderen Seite.

Die vielzitierte Weisheit des Körpers lebt im Spanungsfeld von Süsshunger und Nahrungskommerz. Es ist Kunst, wieder auf die innere Stimme zu hören.

 

Christina Casanova

 

 

1Sep/11

Psyche und Ernährung

Ich habe mich mit Frau Jsabella Zädow getroffen und mit ihr über Zusammenhänge von Ernährung und Psyche gesprochen. Sie ist  Ernährungsfachfrau und wirkt als Dozentin am Institut für Körperzentrierte Psychotherapie.

 

Im Volksmund sagt man gerne: "Zeig mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist." Wie ist dies zu verstehen?

Dieser Ausdruck empfinde ich als zu verallgemeinernd und floskenhaft. Das würde ja heissen, dass sich aus dem Ernährungsverhalten ein Persönlichkeitsprofil ableiten liesse – und das kann ich so nicht stehen lassen. Jedoch liegt in jedem Volksmund ein Fünkchen Wahrheit. Aus meiner Sicht ist es so, dass sich die Selbstfürsorge auch im Ernährungsverhalten widerspiegelt.

 Ist die Ernährung tatsächlich auch als Spiegel der Seele anzusehen?

Wie bereits verdeutlicht, glaube ich, dass hinter dem Umgang mit Essen und Nahrungsmittel eine individuelle Lebenshaltung steht. Wie viel Zeit nehme ich mir zum Essen? Wie wichtig ist es mir, mich den Körperbedürfnissen entsprechend zu ernähren? Woher stammen die Nahrungsmittel, die ich konsumiere und wie wurden sie produziert?

Als zweiten Punkt möchte ich das sogenannte „emotional eating“ erwähnen. 43 % aller Normalgewichtigen und 98 % aller Übergewichtigen essen nicht aus Hunger, sondern aus einer Stimmung, einer Emotion heraus. Mit Essen ist es möglich innerhalb von kurzer Zeit den Seelenzustand zu verändern. Dieser Vorgang ist zwar ein wirkungsvoller, aber nicht immer sinnvoller Umgang mit Gefühlen.

Die Ernährung unterliegt doch auch eine Modediktat. Wie ist Ihre Haltung dazu?

Mit dem Essen und den verschiedenen Ernährungsempfehlungen lässt sich viel Geld verdienen, weil jeder Mensch tagtäglich, meist mehrmals, Nahrungsmittel zu sich nimmt. Darum wechseln sich die Ernährungstrends im 5-Jahres-Zyklus ab. Mal‘ ist es chic, keine Kohlenhydrate zu essen oder das Nachtessen auszulassen. Dann wieder vermehrt auf die Fettqualität zu achten oder exotische Produkte zu kaufen. Bücher, Medienartikel oder Ernährungsberater/innen diktieren eine allgemeingültige Ernährungsform und empfehlen mit Nachdruck, dass diese von allen Menschen eingehalten werden soll. Aus meiner Sicht ist die „Aussensteuerung“ durch mehr oder weniger wissenschaftliche Quellen nicht sinnvoll. Genau so individuell und unterschiedlich der Mensch ist, so einzigartig wird auch seine Ernährung sein müssen.

Vielmehr sehe ich meine Aufgabe als Ernährungsberaterin die kulinarische Körperintelligenz der Klienten zu stärken, unabhängig vom aktuellen Ernährungstrend.

Wie hat sich die Ernährung innerhalb der letzten Jahre verändert?

Vor 100 Jahren haben die Menschen mehrere Stunden pro Tag für die Produktion, Zubereitung und Konsumation von Nahrungsmitteln aufgewendet. Heute beschäftigen sich Herr und Frau Schweizer gerade noch durchschnittlich 23 Minuten pro Tag mit dem Essen. Das Einkaufen und Kochen von Speisen wird im Alltag immer mehr zur lästigen Nebensache – im Gegensatz dazu wird in der Freizeit das Essen immer mehr als Lifestyle-Event zelebriert. Lebensmittel sind im Überfluss, zu jeder Zeit und zu immer günstigeren Preisen zu erwerben. V. Pudel und J. Westerhöfer, zwei deutsche Ernährungswissenschaftler, definieren das heutige Essverhalten in 4 Tendenzen: 1.Tendenz: Verlust der Wertschätzung

2.Tendenz: Verlust der Lebensmittelidentität

3.Tendenz: Verlust der originären Beziehung zur Herkunft

4.Tendenz: Verlust der emotionalen Beziehung

 

Diese Tendenzen zeugen meines Erachtens von der traurigen Bilanz, dass sich das Essverhalten in den letzten Jahren zum Schlechteren entwickelt hat.

Wenn es stimmt, dass eine optimale Ernährung die Gehirnfunktion begünstig, dann müssten doch viele Schüler keine Angst mehr vor der Matheprüfung haben. Was also ist falsch an dieser Aussage?

Die Brainfood-Ernährungsform betont die Wichtigkeit von Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen, die die Nervenübertragungen im Gehirn verbessern. Jedoch ist es lediglich unterstützend zur Lernleistung zu verstehen und nicht als Ersatz. Das heisst, eine ausgewogene Ernährung hilft sich zu konzentrieren und leistungsfähig zu sein – es speichern sich dadurch aber nicht automatisch die Mathe-Formeln im Gehirn ab.

Bitte beschreiben Sie die Beziehung zwischen Ernährungsverhalten und psychischen Prozessen.

Das sind zwei grosse, nicht endende Themenfelder, die noch nicht abschliessend untersucht wurden. Aber einige spannende Erkenntnisse hat Gisla Gniech in ihrem Buch „Essen und Psyche“ beschrieben. Und zwar zeigen Untersuchungen, dass Menschen in bestimmten Stimmungslagen Nahrungsmittel mit dazugehörigem „Sinnesprofil“ bevorzugen. Ein konkretes Beispiel: im Zustand hoher innerer Anspannung wie Ärger, Frustration oder Freude werden salzige und / oder knackige Speisen bevorzugt. Bei tiefer innerer Anspannung wie Trauer oder Langeweile sind süsse und weiche Nahrungsmittel der Renner.

 

Abschliessend möchte ich betonen, dass das Essverhalten als ein Abbild von der psychischen Verfassung und eben der Selbstfürsorge zu verstehen ist. Dass es aber leider oder gottseidank nicht möglich ist, über eine ausgewogene, gesunde Ernährung die Psyche zu heilen.

Mit bestem Dank für das Interview:

Christina Casanova